Die weibliche Seele der Stadt Augsburg

Teil 1: Die Göttinnen

Vor einiger Zeit habe ich für wenige Monate im Zentrum der Augsburger Altstadt gewohnt. Es war am 8.8., am Tag des Augsburger Hohen Friedensfestes, als ich begann, die weibliche Seele der Stadt zu erspüren.

Ich wohnte in einem typischen Augsburger Altbau, direkt unter dem Dach. Ich fühlte, dass dieses Haus lebendig war. Es war als würde es vibrieren und atmen und als hätte es Wurzeln, die tief in die Erde reichten und sich dort mit Mutter Erde vereinten. Ich spürte, dass Augsburg weniger in die Höhe, als in die Tiefe reichte. Und obwohl ich mich im obersten Stockwerk des Hauses befand, spürte ich die Erde nah bei mir. Faszinierender Weise wurde mir im Laufe meiner Recherchen von mehreren Personen erzählt, dass es in der Innenstadt Häuser mit mehrstöckigen Kellern gäbe und dass diese auch zu unterirdischen Tunneln führten. In diesen Gewölben sollten früher Waren gelagert worden sein. Leider sind die Zugänge zu den Tunneln mittlerweile zugemauert.

Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Sie wurde um das Jahr 50 von den Römern gegründet und wurde auch bald zur Hauptstadt Raetiens. Ich dachte, dies wäre ein Gebiet der Kelten gewesen und forschte in diese Richtung, doch fand ich mich völlig unerwartet auf den Spuren der Germanen wieder.

Die Chakren der Stadt

Den ersten Hinweis erhielt ich auf einem Hügel am Roten Tor. Ich verband mich mit der Energie des Ortes und stand urplötzlich auf den Wurzeln des Weltenbaumes. Zu dem Zeitpunkt konnte ich damit noch nicht viel anfangen und begann also daraufhin meine Forschungen. Der Weltenbaum Yggdrasil, die Axis Mundi der Nordischen Mythologie, verbindet die 9 Welten miteinander. Diese Welten kann man auch mit dem Energiesystem der Chakren gleichsetzen. Ich wusste intuitiv, das Rote Tor ist das Wurzelchakra der Stadt Augsburg. Zuvor war mir überhaupt nicht bewusst, dass eine Stadt überhaupt Chakren haben kann.

Nicht weit vom Roten Tor entfernt befindet sich die St. Ulrichs Kirche. Von dort aus führt die Straße in gerader Linie direkt zum imposanten Augsburger Dom. Mittig zwischen diesen christlichen Tempeln befindet sich das Rathaus mit dem Goldenen Saal und nebenan der Perlachturm.

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/thfr-7401026/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3082015">thfr</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3082015">Pixabay</a>
Bild von thfr auf Pixabay

Die Märtyrerin aus Afrika

Die St. Ulrichs Kirche heißt genau genommen Basilika St. Ulrich und Afra. Und bevor der Bischof Ulrich den Platz für sich vereinnahmte, gehörte er ganz und gar der heiligen Afra. Doch auch schon bevor die ersten Christen um ca. 300 n.d.Z. nach Augsburg wanderten, war dieser Platz den Menschen heilig und so begruben sie auch ihre Toten dort.
Es ranken sich einige Mythen um die Heilige Afra, die laut den Christen eine dunkelhäutige Prostituierte gewesen sein soll, die zum Christentum fand und als Märtyrerin auf dem Scheiterhaufen starb.

Steinsarg der St. Afra

Von Emkaer - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10376255

Wenn wir uns aber mal den Namen 'Afra' genau anschauen, finden wir eine Verwandtschaft zu dem Namen 'Aphrodite' und auch dem Wort 'Frau' (Althochdeutsch: frouwe). Der Anfangsbuchstabe 'A' ist hier eine Kurzform des althochdeutschen Wortes „Ana“ für Ahne oder Ahnin. Wir finden in der heiligen Afra also die Ahnenfrau des Volkes oder die Stammesmutter, die in früheren Zeiten als Göttin verehrt wurde.

Wie lange man der Afra nun in Augsburg schon gehuldigt hatte, kann ich nicht genau sagen. Doch ist sie nicht die erste und einzige Göttin Augsburgs.

 

Die Göttin der Schwaben

Vor ihr gehörte Augsburg der germanischen Göttin Cisa (auch Zisa oder Ziza).

Sie wird in alten Schriften als die Göttin der deutschen Völker, die das Riess (Retias) besetzten, aufgeführt. Also die Raeter (Räter) bzw. die Schwaben.

Ihr hätten sie auf einem Hügel am Zusammenfluss der Wertach und des Lechs, wo sie eine Stadt gründeten, einen hölzernen Tempel erbaut, der in dieser auch noch, da sie zur Römerkolonie Augusta (Augustburg, Augsburg) geworden, fortbestanden,
und später jenem Hügel den Namen Zizunberc hinterlassen habe.

Und noch 1390 wird von diesem Hügel gesagt: Er haist noch hüt der Zisenberc'.

Zitat aus "Das altrömische Arvallied ein urdeutsches Bittganggebet"
(hier zum kostenlosen Download: https://archive.org/details/dasaltrmischea00stuh)

Augsburg hieß also früher Zisenberg und manchmal auch Cizaria.

Wer genau war aber diese Cisa?

In dem Buch „Die Blätter von Yggdrasil“ wird sie als die Frau oder der Zwillingspartner des Gottes Tyr (holländisch: Zio, deutsch: Ziu oder Diu) aufgeführt. Die alten germanischen Gottheiten waren nämlich immer zwei-geschlechtlich.

In ihrem Namen finden wir wieder Verbindungen zu anderen Wörtern, wie 'Zitze' oder dem althochdeutschen Wort für Hexe: 'hag-zissa'. (Und auch hier können wir wieder Rückschlüsse ziehen auf die göttliche Ahnenfrau. Denn das 'Hag' war das umhegte Gebiet einer Markgenossenschaft oder eines Stammes.)

Wenn wir, wie es früher auch üblich war, das C bzw. Z durch ein D ersetzen, erhalten wir die 'Disa'. In der Nordischen Mythologie sind die 'Disen' Ahnengeister, die über zukünftige Ereignisse Kenntnis haben und die Menschen mithilfe ihrer Hellsichtigkeit beschützen.

Die Cisa kann also durchaus eine Göttin mit Hexencharakter gewesen sein. Kein Wunder also, dass sie durch die unscheinbare Afra ersetzt wurde, die womöglich mit der griechischen Aphrodite gleichzusetzen ist.

St. Peter und der Perlachturm

Doch ist Cisa nicht gänzlich aus Augsburg verschwunden. Sie ist auf einem Relief auf dem Herkulesbrunnen zu sehen und so soll sie auch als eine Medusa in der evangelischen Ulrichskirche eingemauert sein. Ich habe sie dort noch nicht entdeckt, aber dafür fand ich ein kaum noch sichtbares Relief einer Medusa in der alten Stadtmauer am Roten Tor.

Es gibt aber einen Ort, an dem sie für jedermann sichtbar ist und ihr die ganze Stadt zu Füßen liegt:

Denn sie krönt den Perlachturm als goldene Figur auf der Wetterfahne. In ihrer Hand hält sie eine Zirbelnuss (auch 'Pyr'), das Wahrzeichen der Stadt Augsburg.

An Erntedank zog es mich unerwartet in gerade diese Kirche St. Peter am Perlach. Dort nahm ich mir einige Äpfel aus einem der Körbe vor dem Altar und begutachtete das große Gemälde von Maria der Knotenlöserin. Natürlich ahnte ich damals auch nicht, dass die Wenden (Slawen) ihr Erntedankfest zu Ehren Cisas feierten.

Jedenfalls sieht man auf dem Gemälde die Maria mit ihrem Fuß den Kopf einer Schlange zertreten. Sie ist mit der Sonne gekleidet, hat den Mond zu ihren Füßen und einen Kranz aus Sternen über ihrem Haupt.

Wer offenen Auges durch Augsburg läuft, wird dieser Madonna an vielen Ecken begegnen. Sie ist ein Bildnis der Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes und scheinbar soll sie den Augsburgern etwas Wichtiges mitteilen. Dazu aber später.

Die Zirbelnuss

Zuvor will ich noch die Herkunft des Augsburger Wahrzeichens ergründen. Die Zirbelnuss ist der Zapfen der Zirbelkiefer. In der Regel sagt man aber auch einfach Pinienzapfen. Nachdem es in Süddeutschland keine Pinien gibt, habe ich mich gefragt, wie es dieser Zapfen überhaupt nach Augsburg und dann auch noch in die Herzen der Augsburger geschafft hat.

Hier kommen die Römer mit ins Spiel. Denn die römischen Soldaten kamen nicht alleine nach Raetien, sie brachten auch ihre Kulte mit.

Entlang der Via Claudia fand man etliche Heiligtümer des Mithras-Kultes. Eins davon befindet sich noch in Königsbrunn bei Augsburg. Mithras soll ein Sonnengott gewesen sein, zu dessen Geheimkult nur Männer zugelassen waren. Diese hatten sieben Grade der Einweihung zu durchlaufen. Da Mithras als Stiertöter dargestellt wird, und oft einen Umhang aus Sternen trägt, liegt mir die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Sternenkult handelt und astrologische Hintergründe hat.

Gemeinsam mit dem Mithras-Kult kamen auch die Götter Kybele und Attis aus Kleinasien (heutige Türkei) zu uns.

Das zwitterhafte, furchterregende Urwesen Agdistis wurde von den anderen Göttern kastriert. Aus diesem Wesen entstand die Kybele und aus den abgetrennten Genitalien der Attis. Hier haben wir wie in der Nordischen Mythologie auch wieder eine Zwillingsgottheit. Und auch Kybele wird als Große Muttergöttin (Magna Mater) verehrt. Nachdem ihr Geliebter Attis unter einer Pinie verstirbt, wird der Pinienzapfen zum Erkennungszeichen der Kybele und zum Fruchtbarkeits- und Unsterblichkeitsymbol.

Die christliche Kirche greift die heidnische Symbolik natürlich dankbar auf und wandelt es um in das Zeichen der Auferstehung Christi.

Vermutlich vermischt sich auch die Cisa mit der Kybele auf dem Dach des Perlachturms. Doch das stellt kein großes Problem dar. Denn die Göttin bleibt für mich die gleiche.

Bild von <a href="https://pixabay.com/de/users/ulleo-1834854/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3698751">Ulrike Leone</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=3698751">Pixabay</a>
Bild von Ulrike Leone auf Pixabay

Weiterlesen:

Teil 1: Die Göttinnen
Teil 2: Die Drachentöter
Teil 3: Der Urdbrunnen

Daniela on EmailDaniela on FacebookDaniela on Wordpress
Daniela
virtuelle Assistenz, Reisebegleitung & Kräuterpädagogin
aka Wortmagierin, Grenzgängerin und Pflanzenliebhaberin.

"Ich wünsche mir eine friedvolle Welt, in der wir die Reichtümer von Mutter Erde miteinander teilen und die Einzigartigkeit jedes Menschen wertschätzen können.
Eine Welt, in der wir unsere Talente voll ausschöpfen können und sie als Teil einer Gemeinschaft für gemeinsame Ziele einsetzen.
Darum habe ich Sisters United ins Leben gerufen. Ich hoffe, dass sich hiervon viele Frauen angesprochen fühlen und mit mir gemeinsam aktiv werden."

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben