Die weibliche Seele der Stadt Augsburg

Teil 2: Der Drachentöter

Im vorangegangenen Artikel schrieb ich über die weibliche Götterwelt Augsburgs. Nachdem die christliche Kirche bekanntlich von den heidnischen Göttinnen nicht so begeistert war, ersetzte sie diese kurzerhand alle durch die verschiedenen Erscheinungsformen der Mutter Gottes Maria.

An der apokalyptischen Maria (auch Mondsichelmadonna genannt) kommt man in Augsburg nicht so einfach vorbei, doch ist auch der Drachentöter überall zugegen. Dieser zeigt sich in erster Linie als St. Georg. Doch auch Herkules in seinem Brunnen und der Erzengel Michael im Perlachturm müssen gegen bösartige Ungeheuer kämpfen.

Der Drache oder Lindwurm, machmal auch als Schlange in Erscheinung tretend, ist das Symbol des wilden Weiblichen und der Urreligionen. Der Beginn des Patriarchats eröffnet sich uns in der Götterwelt durch die Tötung des Drachens.

Zum Beispiel tötete Apollon den Drachen Phyton und nahm so das Heiligtum der Göttin Gaia in Delphi in Besitz. Die babylonische Ur-Göttin und Drachenfrau Tiamat wurde ebenfalls von ihrem Enkel Marduk getötet.

 

Ich fand also die Drachentöter. Nur wo war der Drache?

In der Geomantie gibt es die sogenannten Leylinien. Dies sind energetische Kanäle der Erde, die sich über den gesamten Erdball ziehen. Neben diesen Kraftlinien gibt es aber noch andere Erscheinungen wie zum Beispiel die Drachenlinien.

Bevor ich nach Augsburg kam wusste ich von all dem nichts. Aber als ich in meinem Zimmer auf dem Bett lag und diese sonderbare pulsierende Energie spürte, verstand ich langsam, was vor sich ging. Diese Drachenlinien sind unglaublich kraftvolle Energiebahnen, die die weiblichen Kräfte der Erde bündeln. An diesen Orten wurden die ersten Heiligtümer der Urgöttinnen errichtet, an denen sich die Menschen niederließen und so auch die ältesten Städte entstanden.

Ich begriff: hier musste eine Drachenlinie verlaufen. Und nachdem ich am Roten Tor das Wurzelchakra erfühlte, folgte ich also der Straße nach Norden und hoffte so auf weitere Energiepunkte zu stoßen.

Als erstes traf ich auf den Herkulesbrunnen inmitten der Maximilianstraße nicht weit von meinem Haus entfernt. Dort erschlägt Herkules die siebenköpfige Hydra und setzt damit ein Zeichen des Sieges über die wilde Natur. Augsburg wird auch Venedig des Nordens genannt, denn die Stadt wird von unzähligen Bächen und Kanälen durchzogen. Es war sicher keine leichte Aufgabe, das viele Wasser unter Kontrolle zu bringen. Aber auch hier siegt schlussendlich die kontrollierende männliche Kraft über das chaotisch-emotionale Weibliche.

Ich folgte der Straße weiter zum Rathausplatz. Dort versammeln sich am 29. September, dem Michaelistag, die Augsburger Kinder und freuen sich über das Schauspiel, das vor ihnen im Perlachturm stattfindet. Das Turamichele (Turm-Michel) sticht dann zu jeder vollen Stunde im Takt der Glockenschläge auf den ihm zu Füßen liegenden Teufel ein. Hier wiederholt sich die Szene aus dem Inneren der St. Peterskirche: Die Apokalypse aus der Johannis-Offenbarung. Jedoch kämpft Erzengel Michael in dieser Weissagung nicht etwa gegen den Teufel, sondern gegen einen Drachen.

Unweit des Rathausplatzes gibt es noch einen weiteren Drachentöter-Brunnen. Der Georgsbrunnen ist an sich nicht sonderlich auffällig, doch verrät er uns eine Besonderheit der Drachenlinien. Derzeit befindet er sich vor der Stadtmetzg. Dort stand er aber nicht immer, tatsächlich hat er schon öfter seinen Standort gewechselt. Erst stand er vor der Herrenstube gegenüber dem alten Rathaus, dann wurde die Figur zu einem Brunnen auf dem Metzgplatz vor der Stadtmetzg gebracht, anschließend auf einen Brunnen vor St. Jakob und dann wieder zu ihrem jetzigen Standort. Ich denke, das ist ein Zeichen dafür, dass die Drachenlinien sich, im Gegensatz zu den Leylinie, auch verändern können und sich mit ihnen auch das Landschaftsbild wandelt.

Das Auge des Drachen

Ich folgte der Straße weiter zum Dom. Der „Hohe Dom Mariä Heimsuchung“, oder auch „Dom unserer lieben Frau“ genannt, ist in meinen Augen ein Ungetüm. Weder von außen noch von innen fühlte ich eine außergewöhnliche Heiligkeit von diesem Gebäude ausgehen. Nun, erst mal.

Daher erkundigte ich lieber das Gebiet drumherum. Neben dem Dom befindet sich der Fronhof und ein kleiner Spielplatz. Zur Straße hin säumen einige Eiben das Gelände. Ich folgte einem Impuls und stellte mich inmitten der Bäume. Nun betrat ich tatsächlich einen heiligen Raum. Ich spürte, dass dieser Ort anderen Gesetzen unterlag. Ich schloss die Augen und erschrak fast beim Anblick eines großen Drachenauges. In diesem Moment bestätigte sich mir meine Theorie der Drachenlinie.

 

Im Haus des Drachen

Bei einer meiner Stadterkundungen ging ich wieder im Domviertel spazieren. Der lichtdurchflutete Hof eines Eckhauses erweckte meine Aufmerksamkeit. So ging ich hinein und wurde zu aller erst von einer großen Zirbelnuss begrüßt.

Irgendetwas zog mich hier wie magisch an. Ich griff nach dem Knauf der Haustür und fand diese offen vor. Zögerlich trat ich in den dunklen Hausflur und traute meinen Augen kaum. Vor mir erhob sich ein mannshoher Georg aus Bronze, der gerade im Begriff war, seine Lanze in den Drachen zu stoßen. Völlig perplex ging ich an ihm vorbei und stieg die Stufen hinauf. Die Treppe war zu einer Spirale gewunden und die Stufen neigten sich zur Mitte nach unten. Bei jedem Schritt knarrte das alte, durchgetretene Holz. Es war, als würde ich gleich das Gleichgewicht verlieren und in eine unendliche Tiefe stürzen. Ich hatte den Eindruck, dass ich ein Portal in eine andere Wirklichkeit betreten hatte.

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Kurze Zeit nach diesem Erlebnis gab mir eine Freundin einen Zeitungsartikel über genau dieses Haus. Ich hatte ihr zuvor nichts von meinem Abenteuer erzählt und war wirklich überrascht. Das Haus ist ein denkmalgeschützter Bau aus dem 16. Jahrhundert und die Bronzefigur befand sich ursprünglich außen über der Eingangstür am Eckerker.

Die Fügung brachte mich sogar noch zwei weitere Male in genau dieses Haus. Ich weiß bis heute nicht, was ich da genau sollte. Aber es hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Weiterlesen:

Teil 1: Die Göttinnen
Teil 2: Die Drachentöter
Teil 3: Der Urdbrunnen

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Daniela
virtuelle Assistenz, Reisebegleitung & Kräuterpädagogin
aka Wortmagierin, Grenzgängerin und Pflanzenliebhaberin.

"Ich wünsche mir eine friedvolle Welt, in der wir die Reichtümer von Mutter Erde miteinander teilen und die Einzigartigkeit jedes Menschen wertschätzen können.
Eine Welt, in der wir unsere Talente voll ausschöpfen können und sie als Teil einer Gemeinschaft für gemeinsame Ziele einsetzen.
Darum habe ich Sisters United ins Leben gerufen. Ich hoffe, dass sich hiervon viele Frauen angesprochen fühlen und mit mir gemeinsam aktiv werden."

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